Die nordfriesischen Halligen

Die Hallig Langeness, von Schlüttsiel kommend Blickrichtung
nach NW
Eine erlebnisreiche 3-tägige
Wattenfahrt im August 2002 mit Matthias, Robert, Axel und mir
Route: Schlüttsiel –
Hilligenley/Langeneß – Hooge – Gröde –
Schlüttsiel (46 km)
Anfahrt: von Kiel über die
A210 bis Rendsburg, A7 bis Schleswig/Schuby, B201 bis Husum, B5
bis Bredstedt und dann entlang der Küstenstraße gen
Norden bis Schlüttsiel
Revier: Nordsee
- Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, entsprechende
Befahrungsregelungen beachten -> Info
DKV
- Starke Sandverlagerungen führen zu Fahrwasserveränderungen,
d.h. ältere Seekarten sind u.U. nicht mehr aktuell
Paddelbedingungen:
- Das Paddel wird durch den Tidenrhythmus bestimmt -> Tidenkalender
BSH
- Tidenhub 2-3 m je nach Mondphase
- In den Prielen Strömungsgeschwindigkeiten bis zu 90
cm/s = 0.9 m/s = 3.2 km/h (vergleiche mit der durchschnittl.
Paddelgeschwindigkeit!)
- Strömungskarten des Bundesamt für Seeschifffahrt
und Hydrographie BSH sind sehr hilfreich um die Verhältnisse
schon vorher abzuschätzen -> Strömungskarten
BSH
- Das Gebiet ist sehr wind-exponiert, Westwinde bauen die Wellen
auf, Vorsicht bei ablandigem Wind!
- Wetter sehr wechselhaft -> Seewetterbericht
- Kaum Anlandemöglichkeiten auf den Halligen und Inseln
durch weit vorgelagerte Wattflächen, was v.a. bei Gewitter
gefährlich werden kann
-
Ausrüstung: abgeschottete
Seekajaks, Sicherheitsausrüstung, Seekarten, windsicher
stehendes Zelt
Sonstiges: regelmäßige
Fährverbindungen von Schlüttsiel nach Langeneß,
Hooge und Gröde: falls das Wetter ein Weiterpaddeln verhindert
- Bootswagen mitnehmen!
Intessante Links:
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Allgemeines zu den Halligen, Geschichte, Entstehung
und Natur bei Wikipedia
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Der Tourbericht
Am Freitag, nach einer kurzen aber lautstarken Unterhaltung
mit einem anderen Paddler, der meinte uns sagen zu müssen wo
wir starten sollen, begann unsere Tour im Hafen von Schlüttsiel.
So gegen 17 Uhr (Hochwasser war um 15 Uhr) fuhren wir mit Tidenstrom
und Rückenwind in die tiefstehende Sonne.

Axel und Matthias |
Die anfängliche Entspannung wechselte, ein stetig
dunkler werdender Himmel, dumpfen Donnergrollen und sogar vereinzelt
aufzuckenden Blitzen trieben uns zur Eile an. Genau als der Regen
begann kamen wir nach 2 Stunden Fahrt in Hilligenley auf der Hallig
Langeneß an - erleichtert, schneller als das aufziehende
Unwetter gepaddelt zu sein.
Der unerschrockene Robert bereitete unser Essen zu,
draussen im strömenden Regen, während der Rest von uns
aus den warmen, trockenen Zelten nach Essen schrie. Der erste Paddeltag
endete im „Palast“ (Axel’s grossem Zelt) mit einer
warmen Mahlzeit und einer Flasche Rotwein – hickss.
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Bootswagenspuren im Schlick vor Hilligenley
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Am nächsten Morgen standen wir gemütlich
auf, dank der Tiden war Zeit für ein ausgedehntes Frühstück.
Anstelle der aufgepeitschten, grau-trüben Bucht von Hilligenley
war nun eine endlose Schlammweite zu sehen. Der Wind hatte den Himmel
blank gepusted, keine Wolken oder gar Regen mehr. Unsere einzigen
Nachbarn, 2 andere Kajaker, erzählten uns, dass dieser „nette,
laute Kerl“ vom Vortag für heute auf diesem Platz erwartet
wird. Wir entschlossen uns prompt, die Zelte abzubauen und in See
zu stechen.
Das Wetter sah inzwischen wieder merkwürdig aus,
nicht so richtig schlecht, aber nach dem gestrigen Tag hielten wir
alle Ausschau nach Anzeichen von Gewitter. Darum entschieden wir
uns, Kurs auf Hallig Hooge, das nur ca. 6 km weit
entfernt liegt, zu nehmen. Mit diesem Kurztrip fühlten wir
uns sicherer, war es doch nicht zu weit weg vom schützenden
Ufer.
Gleich nach dem Ablegen zeigte sich die Kraft der
Tidenströmung - das auflaufende Wasser zog uns gegen den Wind
zurück, ein merkwürdiges Gefühl. Nachdem wir uns
soviel Sorge gemacht hatten gegen des Wetters, war die Überfahrt
recht ereignislos. Einige schüchternde Seehunde
streckten vorsichtig die Nasen aus dem Wasser und Robert erprobte
den Gebrauch eines Eskipaddels.

Lahnungen |

Hafen von Hallig Hooge bei Flut |

auf Hooge |

Hafeneinfahrt bei Ebbe |
Der Hafen von Hooge war bei unserer Ankunft schon
fast voll (bei Ebbe läuft der Hafen leer und die Schiffe sitzen
im Schlick, mit an Land abgespannten Masten, damit sie nicht umkippen),
darum war es einfach für uns zu landen. Nach einem kurzen Anruf
beim Hafenmeister (Handies sind manchmal sehr nützlich!) konnten
wir unsere Zelte an der Hafeneinfahrt aufbauen.
Es folgte ein geruhsames Hallig-Erholungsprogramm
mit viel Essen, Spaziergängen, Kultur und aufs Wasser hinausschauen.
Etwas später kam eine grössere Gruppe Paddler, Hamburger,
die ihren Berliner Kumpels einmal die grosse weite Wattenwelt zeigen
wollten. Einige Segler erweiterten später diese Ansammlung
verschiedenster Kulturen (aber wieso können die Segler nicht
selber ihren Müll aufräumen?).

Gewitter über Hallig Hooge |
Während der Nacht erst zog das erwartete Gewitter
über die Wattengegend: grelle Blitze und ohrenbetäubender
Donner. So exponiert zeltend, da wünschte man sich einen schützenden
Wald und sicheren Unterschlupf.
Am Sonntag war das Wetter wunderbar klar, sonnig und
der Wind hatte auf West gedreht, also wieder ein Rückenwind
auf dem Weg zurück zum Festland. Ungeduldig auf die Flut wartend,
trugen wir die Boote über die Buhnen bzw. zur Entwässerungsrinne
des Hafens, wo stets etwas Fahrwasser bleibt.
Der erste Zwischenstop, kurz nach dem Start, war auf
einem kleinen Stückchen (noch) trockengefallener Sandbank,
wo wir ein schnelles aber fantastisches Bad nahmen. Die schnell
auflaufende Flut verhinderte leider einen längeren Aufenthalt,
denn schwupps war die Sandbank weg, und nur noch leicht gekräuseltes
Wasser und blubbernde Luftblasen zeigten die Stelle an.
Die weitere Strecke folgte den Tonnen. Vor der Hallig
Gröde wurden wir durch eine starke Querströmung
seitlich versetzt. Eine längere Sonn- und Badepause legten
wir im schnucklig-kleinen Hafen auf der Hallig Gröde ein. Brote
mampfend staunten wir über die schnell steigende Tide und schnackten
mit Touristen, die über’s Watt hergewandert waren. Wir
sollten ein Schild herstellen mit der Aufschrift:
„Beobachte die Paddler in ihrer natürlichen
Umgebung. Nicht erschrecken und bitte füttern“

Axel verschwindet fast im Wellental |
- oder so ähnlich. Dann wurden die Touristen
per Dampfer abgeholt und für uns war es an der Zeit, nach Schlüttsiel
zu paddeln. Der restliche Weg war, dank der frischen Brise, ein
netter Surf, der auch zum Erproben der Rettungstechniken mit dem
paddle float benutzt wurde! Wieder glücklich im Hafen
angekommen gab’s für alle braven Kinder ein Eis von Papa
Matthias.
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